Temperament nach „Zigeuner“- Art

Katjusha Kozubek und die „Janio jr. Swing“-Band gastierten im Oranienburger „Kulturkonsum"

MOZ, Mai 2005

 

 

...Wirbelnde Röcke, schnipsende Finger, wilde und schnelle Musik sowie eine ausdrucksstarke Stimme...

 

Beeindruckend die Innigkeit, mit der Kozubek jede Darbietung versah...

Bemerkenswert ist Kozubeks harmonischer Umgang mit der deutschen Herkunft und der „Zigeuner“- Lebensweise...

 

(Foto: Schimroszik)

 

 Wenn aus Kerstin eine Katjusha wird...

Zigeunerweisen im Kulturkonsum

Märkische Allgemeine, Mai 2005

 

„Polnische Zigeunermusik“ verwandelte den Oranienburger Kulturkonsum in der Heidelberger Straße am Freitag in einen Raum voll Musik, Rhythmus und Gefühl. 

(Foto: Karl Pfitzmann)

 

 

Am Ende des Konzertes waren die Stühle im Kulturkonsum zur Seite gerückt, bewegten sich die Besucher zum Rhythmus von Violine, Akkordeon und Gitarre. Zusätzlich angeheizt durch die Sängerin und Tänzerin Katjusha Kozubek hatte die Stimmung am Freitagabend nach zweistündiger Vorstellung ihren Höhepunkt erreicht.

„Polnische Zigeunermusik“ hieß die Zauberformel, mit der das Katjusha-Kozubek-Ensemble die vielen Gäste sofort einfing. Die mal melancholisch getragenen, mal mitreißenden, temperamentvollen Lieder erzählten vom schweren Leben der Zigeuner, von ihren Leiden, Freuden, ihrem Liebesschmerz, aber auch von ihrer Achtung den einfachen Dingen des Lebens gegenüber. Davon sang Katjusha, danach bewegte sich Katjusha. Mit ihren langen schwarzen Haaren, die sie ständig nach hinten werfen musste, ihrem Temperament, ihren von Lebenslust sprühenden Augen und prächtigen weiten, schwarz-roten Röcken entsprach sie ganz dem Bild einer feurigen Zigeunerin. Und das, obwohl sie einst als Kerstin Kozubek in Weimar auf die Welt kam. Nichts deutete zunächst daraufhin, dass sie sich , die zwar im renommierten Kinder- und Jugendchor Weimar und alsbald in der geförderten Solistengruppe sang, einmal völlig aus ihrem Kulturkreis entfernen würde. Aber als die Mutter das heranwachsende Mädchen zu einem Besuch der polnischen Familie mitnahm, brach in Kerstin die Liebe zu den polnischen Roma und ihrer Musik auf. Von dem Moment an veränderten sich ihre bisherigen Daseinsvorstellungen, tauchte ein in die Lebensweise von Sinti und Roma. Daran änderte auch ihre Ausbildung als Wirtschaftskauffrau nichts, die ihr das Rüstzeug verlieh, künftig ihre verschiedenen Gruppen und Ensemble selbst zu managen.

Unterricht nahm sie bei verschiedenen Tanz- und Gesangspädagogen, gründete bereits 1993 mit „LAUTARI“ ihr erstes Begleitensemble, bestehend aus tschechischen, ukrainischen und deutschen Musikstudenten, studierte mit ihnen jiddische und Roma-Lieder ein und konnte deutschlandweit Erfolge verbuchen. 1996 zog sie nach Berlin, hatte als Tänzerin Auftritte im Fernsehen und als Schauspielerin an der Volksbühne, wurde zur „Chanteuse des Zigeunerliedes“ und auch mit anderen Ensembles bekannt bis nach Moskau, Finnland, Holland, der Schweiz... Inzwischen gibt sie selbst unter dem von ihr zelebrierten Begriff „Kultur der Seele“ Anleitungen für osteuropäische Roma-Tänze.

Im Kulturkonsum begleiteten sie, die zwischen dem Musikprogramm auch Texte von der Roma-Dichterin Papuscha Ways las, drei exzellente Musiker. Allen voran Tomasz Janio Krzyzanowski, ein echter Roma, dem die Musik aus dem Herzen kommt, und dem die Fingerfertigkeit im Blut liegt. Seine Virtuosität offenbarte sich vor allem bei den eingestreuten Swingtiteln, wie „Sweet Georgia Brown“, bei dem Stück „Die Lerche“, die er mit Tönen schwebend flattern lies, oder dem Csardas von Monti. Das Trio „Janio jr. Swing“ vervollständigten Krzysztof Rudowski mit außerordentlch temperamentvollem und höchst professionellen Spiel auf dem Akkordeon sowie Leszek Schwarz auf der Gitarre.

 

(Rotraud Wieland)





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